Seitdem ich auf der Premiere der neuen ProSieben-Krimiserie “Unschuldig” gewesen bin, hat sich einiges getan. Ich bin seitdem vor allem für das Blog der Serie inside-unschuldig.de verantwortlich und habe einen großen Teil der Verantwortung dafür übernommen. Und wie immer, wenn man Praktikant ist, beginnt genau hier der Spagat: Einerseits soll man möglichst eigenverantwortlich arbeiten, andererseits kann und darf man gar keine Entscheidungen treffen, da man eben nur Praktikant ist. Das Ergebnis ist ein Lavieren zwischen “Ich mache das jetzt einfach mal!” und “Hoffentlich nerve ich niemanden, wenn ich schon wieder nachfrage.”
Das Projekt an sich ist auch etwas besonderes. “Unschuldig” ist keine einfach Krimiserie wie jede andere. Zum einen gilt die Produktionsfirma dahinter (Teamworx) als Garant für erfolgreiche und hochwertige Fernsehunterhaltung, allerdings ist Teamworx bisher vor allem mit Fernsehfilmen in Erscheinung getreten oder man erinnert sich vor allem daran. Dazu kommt noch, daß das Projekt ganze drei Jahre (!) vom Beginn der Konzeption bis zur Ausstrahlung gebraucht hat. Das lag vor allem an dem Willen zur Perfektion, so daß alleine das Casting anderthalb Jahre benötigte.
Herausgekommen ist ein Krimiserie, die mit einer Mischung aus alten und neuen Elementen zu punkten versucht: Alexandra Neldel als Anwältin Anna Winter ist der Aufhänger der Geschichte und als Darsteller ist sie ein bekanntes Gesicht (auch wenn man sie in “Verliebt in Berlin” kaum erkennen konnte). Ihr Gegenüber steht Clemens Schick, der bisher vor allem als Nebendarsteller in “Casino Royale” Aufmerksamkeit erregt hat, aber auf dem deutschen Fernsehbildschirm bisher so gut wie garnicht zu sehen war. Zwischen solchen Gegensätzen bewegt sich die Serie ständig. Einerseits wird versucht das als konservativ geltende deutsche Fernsehpublikum nicht zu verschrecken, andererseits wird versucht an die ausgesprochenen erfolgreichen US-Serien (wie etwas “Monk” oder “Dr. House”) anzuknüpfen.
Obwohl man befürchten könnte, daß sich die Serie in diesen Untiefen verirrt und weder die eine, noch die andere Erwartung erfüllen kann, ist sie qualitativ hochwertiges Fernsehen geworden. Doch es scheint so, als ob die Zuschauer ebenso wenig wüßte, wofür sie sich entscheiden sollten. Die Quoten der Serie ähneln einer Achterbahnfahrt: Die erste Folge fuhr überdurchschnittliche 14,1% ein, die zweite Folge stürzte auf 9,6% ab, die dritte berappelte sich mit 11,2% auf den Pro7-Senderdurchschnitt, nur um dann mit der vierten Folge wieder auf 9,1% abzustürzen. Gründe dafür…? Tja, wenn das einer wüßte. Sicherlich spielte es eine Rolle, daß die zweite Folge am 30. April ausgestrahlt wurde und mehr Leute in den Mai hineingefeiert haben, als vor dem Fernseher zu verbringen. Aber bisher wird keiner der Verantwortlichen aus den Quoten so richtig schlau. Der durchschnittliche Zuschauer erweist sich mal wieder als ein ausgesprochen launisches und unberechenbares Wesen, dessen wechselnde Gunst die Macher auf eine emotionale Achterbahn schickt, die man sich nur vorstellen kann, wenn man sich in deren Nähe bewegt.
So befinde ich mich nun genau an einer der Schnittstelle des deutschen Fernsehens, denn nicht nur für Teamworx ist die Quote von “Unschuldig” ein Thema, sondern auch für fast alle anderen Fernsehproduktionfirmen, die nach vielen Flops jeden neuen Versuch einer Serie genau unter die Lupe nehmen. So gesehen, kann ich mich als Praktikant über mangelnde Nähe zu den Entscheidungsorten der Medienwelt bestimmt nicht beklagen.
